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Lyrik ist ein hartes Gewerbe. Im
Reich zwischen ranzigen Liebesgedichten und experimentellen
Lautgewittern fällt es Lesern - und auch Autoren - oft schwer,
sich ein heimeliges Plätzchen zu suchen. Barbara Rapp lässt sich
von all dem nicht abschrecken und legt Texte vor, in denen
Alltägliches mit dem Existenziellen verknüpft wird. Und es
funktioniert. Dabei ist sie, was die Lyrik betrifft, eine
Spätberufene, wie ihr künstlerischer Werdegang zeigt.
Am Anfang war das gegenständliche Bild. Einflüsse der
abstrakten, surrealen und figuralen Malerei verschieben den
Fokus und schließlich drängen sich Skulpturen und moderne Lyrik
"als Erweiterung der schöpferischen Bandbreite" auf. "Erarbeitung
thematischer Zyklen und Ausführung in Form von Bild - Skulptur -
Text" ist der nächste, jedoch sicher nicht der letzte
Schritt. "Als bekennende Autodidaktin sehe ich mich in meiner
künstlerischen Arbeit auch nach jahrelangem Selbststudium noch
immer und hoffentlich auch weiterhin stark im Wachsen
befindlich."
Das hört sich nach einem Hauptwohnsitz im Elfenbeinturm an.
Mitnichten. "Den zur Existenzsicherung notwendigen Brotberuf
übe ich ganz banal im Büro irgendwo zwischen Kopiergerät und
Schreibtisch aus. Unanständigerweise macht mir dieses Tun auch
noch richtig Spaß."
Bevor eine Auswahl von Texten folgt, frage ich Frau Rapp noch
eben, wieso es denn ausgerechnet Lyrik sein musste. "Speziell
fordert mich die Lyrik und dabei besonders der sich nicht
reimende Text dahingehend heraus, daß ich möglichst kurz und
prägnant, aber doch mit dem jeweils dem behandelten Thema
entsprechenden Maß an bildhafter Sprache versuche, die Essenz
dessen, was ich zu sagen habe, in Worte zu fassen. Möglichst
einfache, unkomplizierte Worte, die leicht zu verstehen sind und
trotz ihrer Knappheit den Weg in die Seele des Lesenden
schaffen. Zuweilen scheint es mir sogar zu gelingen."
Eutopia: Bild - Skulptur - Text. Wie korrespondieren die
verschiedenen künstlerischen Aktivitäten miteinander? Tun sie
das überhaupt?
Barbara Rapp: Sie ergänzen einander in der Tat ab und zu,
nicht immer, aber je nach relevanter Thematik oder jeweiligem
Zyklus drängt sich manchmal das Bild vor mein geistiges Auge und
nährt gleichzeitig ein Bedürfnis, das Gesehene auch in
Geschriebenem zu verarbeiten. Es ist mir allerdings auch schon
passiert, daß eine meiner Textpassagen bereits beim
Zusammensetzen im Kopf urplötzlich Bilderwelten wachsen läßt
oder auch Ideen zu Skulpturen und Objekten wachruft, die adäquat
realisiert werden wollen.
Ich vermeide es jedoch, mich selbst dahingehend unter Druck zu
setzen, jeden Zyklus in allen drei „Disziplinen“ aufarbeiten zu
müssen. Was sich mir auftut, wird gerne angenommen und was
nicht, das mag eben bleiben wo es ist.
Wie reagieren Sie, wenn Ihnen jemand rät:"Konzentrier dich
lieber auf eine Sache und mach diese dafür gscheit."
Diesen sicherlich gut gemeinten Rat höre ich sehr oft. Allein
schon im bildnerischen Bereich wird mir zuweilen ans Herz
gelegt, mich endlich auf eine bestimmte Richtung festzulegen.
Ich kann dies einerseits sehr gut verstehen, ist doch ein so
genannter Wiedererkennungswert wichtiges Kriterium auf dem Weg
zum Erfolg am Kunstmarkt.
Andererseits sehe ich für meine Arbeit und meinen künstlerischen
Weg keinen Nachteil darin, in verschiedenen Gewässern zu
fischen. Ganz im Gegenteil: die wechselseitige Befruchtung und
die mir zugestandene Freiheit, Visionen nicht durch Art der
Umsetzung, Dimension, Material und dergleichen beschneiden zu
lassen, erweitert den Horizont meines kreativen Kraftfeldes.
Läßt mir viele Möglichkeiten offen, um dann doch die jeweils für
mich einzig stimmige zu wählen.
Gerne nehme ich daher den Vorwurf einer mir diesbezüglich
vorgeworfenen bzw. offensichtlich irrtümlich so gesehenen
Ziellosigkeit oder auch des Dilettantismus in Kauf.
Ist es Ihnen peinlich, in Gedichten etwas von sich preiszugeben?
Meine Texte entstehen sehr oft zu Themen, die ausgesprochen
intim erscheinen mögen und wohl auch viel über mich selbst
verraten. Gewisse „vertextete“ Erlebnisse und Inspirationen
brauchen aber genau dieses Einbringen meiner Person im Gesamten,
um überhaupt authentisch sein zu können. Wenn Emotion zum
Ausdruck gebracht werden soll, muß sie auch zumindest
ansatzweise gefühlt werden oder worden sein. Ich kann mir nicht
vorstellen, über etwas zu schreiben, das mich nicht im weitesten
Sinne persönlich berührt, betrifft, aufregt, anregt, … natürlich
gibt es auch Gedichte, die nicht für die Öffentlichkeit
freigegeben werden, weil sie doch etwas zu privat und für
Außenstehende auch nicht von Interesse sind.
Fällt es leichter, diese Themen im bildnerischen Bereich
aufzuarbeiten?
Ich denke sehr wohl, daß es weitaus weniger verfänglich ist,
sich und seine Visionen und Emotionen bildnerisch darzustellen,
weil Bilder doch immer viel mehr Interpretationsfreiraum lassen,
als das konkret benennende geschriebene oder gesagte Wort.
Welchen Rat geben Sie jungen KünstlerInnen?
Ich zähle mich mit meinen 35 Jahren selbst noch zur jüngeren
Riege, vor allem auch die künstlerische Karriere betreffend. Was
kann ich ganz jungen Kreativen raten? Meine Erfahrung hat mir
gezeigt, dass man unbeirrbar seinen Weg gehen, ein konkretes
Ziel haben und es verfolgen muß. Kurzzeitiges Abschweifen vom
Weg darf nicht entmutigen, vielmehr nütze man es und lasse es
später in seine Arbeit einfließen. Konsequenz, ständiges Lernen,
Experimentieren und das Feilen an seinen handwerklichen
Fähigkeiten bieten die notwendige Basis, auf die man in seiner
freien künstlerischen Arbeit aufbauen kann.
Welche Fehler sollte man unbedingt vermeiden?
Mein größter Fehler war wohl, zu früh hinauszugehen und der
Öffentlichkeit einen noch gar zu rohen Diamanten vorzusetzen. Es
ist sehr mühsam, ein einmal umgehängt bekommenes Image als
chaotischer und noch nicht wirklich ernstzunehmender
Hobbykünstler (so ähnlich war es bei mir) wieder loszuwerden.
interview: hannes gaisberger für
eutopia
juni 2007 |