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„WIE MAN DEN TOTEN
ERKLÄRT, DASS ES KEINE BILDER GIBT“
Das ist alles ganz falsch angelaufen, alles falsch
angekündigt, das hier ist keine Führung, hier wird keine
Führung gemacht, ich bin schließlich kein Führer, wer einen
solchen braucht möge sich bitte an andere Stellen wenden,
ich bin es nicht. Wenn Sie wollen, können Sie mir folgen,
sollten mir jedoch nicht vertrauen, weil ein solches
vergebens ist. Ich verstehe genauso wenig oder viel wie sie,
wahrscheinlich verstehe ich gar nichts und das auch noch
falsch. Ich übernehme also keine Verantwortung, vielleicht
verlieren wir uns auch irgendwo, idealerweise kommen wir
aber an. Dann aber noch die Frage, wo.
Erwarten Sie bitte nichts von der Kunst, das ist so wie mit
dem Vertrauen, auch die Erwartung wird stets enttäuscht.
Also geben Sie sich keiner Täuschung hin ...
In Wirklichkeit ist nicht das, was an den Wänden hängt
Kunst, sondern Sie sind es. Jeder einzelne von Ihnen ist
Kunst, auch wenn Sie es nicht glauben. Im Grunde müssten
also Sie an der Wand hängen und die Bilder müssten vor Ihnen
stehen und Sie betrachten. Nicht Sie überprüfen die Bilder,
sondern die Bilder überprüfen Sie. Lassen Sie sich aber
nicht einschüchtern. Wahrscheinlich werden wir nirgends auf
Bilder treffen, die wurden nämlich abgeschafft. Alles, was
Sie sehen ist nicht echt, das sind keine Bilder, das sind
keine Installationen, das sind Surrogate. Denken Sie daran,
denn Sie sind echt. Also Sie sind überlegen. Sie müssen also
auch keine Angst vor den Bildern haben, vor den Bildern, die
vorgeben Bilder zu sein, im Grunde aber nicht sind.
Vielleicht habe ich gelogen, wahrscheinlich war es Absicht.
Sie sehen und hören: Sie sollten mir nicht vertrauen,
zumindest nicht immer. Oft liege ich falsch, auch wenn ich
richtig sein will, kommt immer das Falsche dabei heraus.
Aber damit habe ich kein Problem, seltsamerweise kann ich
dazu stehen, dass ich falsch liege, dass ich gar nicht weiß,
was richtig und falsch ist, weil man nicht glauben soll,
dass irgendetwas richtig oder falsch sein kann. Nichts kann
richtig sein, weil alles falsch sein kann. Vielleicht hat
von Ihnen jemand tatsächlich gedacht, dass die Bilder
abgeschafft wurden und nachdem jetzt alle wissen, dass dies
nur eine Lüge war, kann ich Ihnen ja sagen, … dass es doch
gestimmt hat.
Denken Sie daran, dass nicht Sie die Bilder überprüfen,
sondern dass die Bildern Sie überprüfen. Sobald Sie hier
eintreten, werden Sie überprüft und – achten Sie darauf –
Sie werden sich gegenseitig überprüfen. Sieht der dort die
Bilder richtig an? Interessiert sich diese Dame tatsächlich
für dieses hässliche Bild? Sie werden also erfahren, dass
manche Bilder Sie abstoßen, weil die Bilder nach der
Überprüfung entschieden haben, Sie abzustoßen. Das ist kein
Problem, nicht traurig sein, dafür wird diese Dame hier von
den Bildern in der nächsten Ausstellung total angewidert
sein. Dann wird sie abgestoßen werden, so werden wir alle
mal abgestoßen. Oft werden wir aber auch einfach angezogen,
lassen Sie sich anziehen. Ich bin der Meinung, man sollte
immer näher treten, immer ganz nah ans Bild heran, sodass
man die Bilder schon fast berührt. Und hier wiederum:
Idealerweise sollten die Bilder Sie berühren und nicht
umgekehrt. Sie brauchen die Bilder nicht zu berühren ... |

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