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rechts
er wollte nicht straßen,
sondern stadtmauern bauen.
aber sie öffnen die tore
und fahren mit ihren wägen herein!
bringen der schwester
schwarze strümpfe mit.
das lachen derer von draußen ist schlecht.
das lachen der schwester darüber auch.
er wollte nicht zarte fäden spinnen,
sondern stricke drehen.
doch sie kommen mit seidenen stoffen
und lassen die tänzerin fröhlich singen!
verjagen ist nicht möglich,
vernichten der einzige weg.
alles.
essenz
gestern noch
hat er mit verächtlichem grinsen
den unqualifizierten assistenten entlassen.
im vorbeigehen
spuckte er in den hut des straßenkünstlers.
blonde locken zum schwarzen kleid
durfte seine frau nicht tragen.
zu schön könnte sie sein.
traurig und niedergeschlagen
hatten seine kinder nicht zu erscheinen.
idylle ist pflicht.
perfekt manikürte hände
blätterten routiniert in lukrativen verträgen.
jetzt
bleibt als einzige hoffung,
dass ein vertrautes streicheln
seinen letzten atemzug
begleitet.
fremdes land
du hast keine
scheu
sie des
schwachsinnes zu bezichtigen
wenn sie deine
pläne kreuzen
während du die
regeln brichst
hassen willst du
ihre götter
ohne deinen je
zu kennen
diese dummen
großen augen
sehen deine
weisheit nicht
diese schwachen
kreaturen
wissen nichts
von ihrer not
grässlich
lächelst du darüber
auch wenn es
niemals wirklich gründe gab
ruf nicht nach
dem richter
du
nichts
gelernt
im schuppen ganz oben unter dem dach
holt er aus der holzkiste
die alten bücher und das grammophon.
streichelt die verstaubten plattenhüllen,
tränen tropfen auf das vergilbte papier.
erzählt seinen kindern bei bunter beleuchtung
von diesen wunderbaren eiskalten nächten,
die nahe von körpern erträglich wurden.
und dreht die zentralheizung auf,
damit sein sohn nicht friert.
träumt von den heimlichen bruderschwüren,
die stark machten gegen das wissen der diktatoren.
schwärmt von kräftigen händen und mutigen worten.
im hintergrund läuft der fernseher,
zeigt bilder
über disziplinierte konferenzen
und obszöne begierden.
wehmütig denkt er an jene tage.
wie schön es doch gewesen ist
damals.
und während er sein verstümmeltes bein hochlegt,
greift er nach der fernbedienung.
um keinesfalls
den neuesten film vom krieg
zu versäumen!
die
ordnung
ist wieder hergestellt.
freie geister wurden in ihre galerien
und bibliotheken gesperrt.
jener mann ist fortgezogen,
der zärtlichkeit von frauen nicht ertrug.
an der straße
sitzen keine menschen von der straße mehr.
der sohn des oberarztes
schläft nur mit der juristentochter
die sekretärin
schläft nicht mit dem aufsichtsrat.
tageszeitungen
haben nichts neues zu schreiben.
weil nur lebendige existenz
schlagzeilen liefern kann.
hier
herrscht ordnung.
high
society
verkriech dich in deinen glänzenden
sälen
streich zarte pastete auf knusprige croissants
umgib dich mit wichtigen menschen
und nicht solchen
die auch worte wechseln
mit mir
du bist doch ein guter und edler
jener
von den einzigen
daseinsberechtigten
glaubst du!
weißt du?
dass herzen tief drinnen schlagen
dass herzen viel mehr sind
als deine
aus oberflächlicher blindheit
dir unerkannte
und doch so offen gelebte
persiflage
deiner selbst
ist es draußen schön?
komm nicht herein
nicht jetzt
du fröhliche maske
von deinen feiern des leichten seins
bleib noch dort und flöße dir das gift der besseren menschen ein
die mit den lachenden fratzen
und den traurigen augen unter bröckelnder wimperntusche
die so sind wie man ist
wenn man ist wie sie wollen
komm nicht herein und weck mich nicht auf
aus dem schlaf der verirrten träume
mit würgender kehle sondere ich ihn ab
den zähen dreck
und die schamlose gier
den stechenden hass auf das übermächtige
das sich köstlichst amüsiert
über meine schändliche kleinheit
wo ich doch groß sein will
bleib draußen
und lass mich versinken
im stinkenden morast des grauens
bis es mir keine angst mehr macht
weil ich es kenne und spiele mit ihm
warte vor der tür
aber wirf den schlüssel nicht weg
wenn ich dich rufe dann sperrst du mir auf
solltest du noch da sein
an dem tag
die wahl
wenn du sie verurteilst
hilft es dir nicht
keinesfalls bist du besser als sie
mit deinen bildern von wahrheit
den visionen einer idealen performance
die du hinter den fensterscheiben des perfektionismus’
sehnsüchtigen blickes verfolgst
sie ist nicht nur die scheußliche schlammpfütze
die du unmöglich ertragen kannst
und keinesfalls sehen willst
warum stellst du dein visier auf geradeaus
flexibel nur nach oben und ganz hinauf
aber niemals hinunter zu den pflastersteinen?
weil du dich fürchtest
vor den pfützen in dir
nimm die kalten unwirklich harten fragmente
deiner luftschlossmauern
und wirf die scheiben ein dass sie klirren
damit der wind von draußen dich aufwachen lässt
spring durch die geschlossenen fensterrahmen
auch wenn die scherben dein fleisch aufschlitzen
dann spürst du dein warmes blut
und dich
du landest auf der straße
bei den gestalten die gehen und lachen und wirklich sind
und weinen und schreien und toben
und fluchen und schamlos nur mensch sein dürfen
nur mensch und nicht mehr
auch sie haben träume wie du
auch sie hat träume wie du
lach nicht darüber und sehe sie schwach
nur weil sie ganz selten nach oben geht
um aus dem fenster zu schauen
wenn sie jetzt mit brocken aus schmutziger erde
die stufe von unten nach oben baut
auf der unkraut wächst
und steigt fliegenden schrittes hinauf
lächelt dich an
von wo willst du sie denn dann lieber beobachten?
aus dem fenster mit spiegelblankem glas?
oder von den schwindeligen höhen deiner eigenen pyramide
hinüberwinken
und die herrlich frische luft pfeift dir um die ohren
dass es dir den atem verschlägt
vor glück
weihnachten
erschöpft, aber frohen mutes sinkt
er
in den designer-sessel seines arbeitgebers.
die filial-leitung wird zufrieden sein:
schon einhundertundzwei prozent der umsatz-planung konnte er
erreichen.
erwartet werden zwar einhundertundfünfzig prozent,
aber der monat ist ja erst in drei stunden zu ende.
er ist sehr stolz auf sich; anfang november schon überzeugte er
dreizehn mütter von der wichtigkeit gewisser „pokémons“:
nur drei pakete davon und ihr kind wird überglücklich sein!
eines von diesen monstern in stofftierausführung
und ihr kind wird sie vergöttern!
jedenfalls mindestens einen christabend lang.
mist, schon wieder die falsche taste erwischt!
„stille nacht“ auf opa’s keyboard von weihnachten vorigen jahres
klingt einfach nicht so, wie ein besinnliches lied klingen
sollte.
naja, interessiert mich auch gar nicht wirklich,
hauptsache sie sind zufrieden und lassen mich in ruhe.
„schön, wie der bub sich mühe gibt“
„unser junge ist halt noch einer von den unverdorbenen“
oma lächelt tränengerührt, opa schnarcht heimlich in der ecke.
papa hüstelt leise, dieser weihrauchgestank verträgt sich
ja auch so schlecht mit seinem asthma.
und außerdem drückt das darmgeschwür,
mama’s tiefgekühlte christmas-pizza liegt wie ein stein im magen.
„sieht doch wirklich perfekt aus, das blau-silberne
hochglanzgeschenkspapier
mit den silber-blauen glitzerschleifen!
und passt haargenau zu den chrom-kerzenhaltern
mit elektrischen kerzen-attrappen.
gut, der grünton des pvc-bäumchens ist zwar etwas zu intensiv -
es ist aber auch zu dumm, dass tannenbäume nicht mit blauen
nadeln wachsen.“
dreimal musste ich die anordnung der pakete neu überdenken -
hierarchie und gesamteindruck der verpackung wirken aber jetzt
optimal!
innerhalb von nur zwei minuten liegt hier ein berg zerknülltes
papier
und dort ein berg von überflüssigem high-tech-müll.
wie gut, dass die wirtschaftskammer liberale ladenöffnungszeiten
durchsetzte:
schon morgen können nutzlose wertschätzungsbeweise
gegen nutzlose prestigeobjekte eingetauscht werden!
aber jetzt sollten wir uns doch über das ostergeschäft gedanken
machen,
weihnachten dauert heuer ohnehin schon viel zu lange.
weihnachten?
das monotone klacken des
beatmungsgerätes beruhigt mich.
aber die müden augen seines noch jungen gesichtes flehen mich an
um erleichterung.
zuviel schmerz, resignation
und noch mehr verzweiflung stehen darin geschrieben!
ach, wäre ich doch schon dort drüben, scheint sein blick zu
sagen:
dort drüben gibt es kein leid, dort drüben ist alles gut.
schön war es hier
mit euch zu lachen, mit euch zu weinen.
die kälte des winters auf meiner haut zu spüren,
das brennen von heißem tee auf der zunge,
das kratzen der wolle von oma’s handgestrickten socken.
die warme zärtlichkeit deiner berührungen.
aber jetzt ist die kraft zu ende, es tut nur noch weh.
da, ein kurzes zucken der schwachen
finger in meiner hand
ein beben im raum, ein letztes dankbares lächeln.
ein tiefer zufriedener seufzer,
den niemand mehr hört,
außer mir.
weihnachten.
zuviel
farbe
dort, unter vielen anderen menschen
wohnt sie. nicht dass sie besonders auffallen würde, aber zu
übersehen ist sie auch nicht gerade.
sie liebt es, zu arbeiten.
jeden morgen, wenn sie aufwacht und im spiegel ihr meist
vertrautes und manchmal auch fremdes gesicht ansieht, entwickeln
schon ihre verrückten gedanken ein neues szenario für den
abteilungsleiter. diesmal sollte es eine lippenstiftkampagne
werden: blutende finger malen rot auf einen jungfräulichen mund.
es tropft. die augen des unverdorbenen gesichtes betrachten sich
selbstverliebt. sehen, wie blut über das kinn rinnt, sich bis
zum hals vorwagt und langsam, zwischen den wölbungen der brust
davonstiehlt.
er wird sie wie immer für verrückt halten. und er wird ihre
absurden ideen wie immer lieben.
sie liebt auch ihre durchgeknallten freunde.
mitten in der nacht steht eine vor der tür. eine derer, die sie
ständig brauchen. weil sie da ist und gibt, was sie hat.
nachts trägt sie ihre anthrazitfarbenen, flauschigen
ohrenschützer. so hört sie das läuten der türklingel nicht. aber
das schlafzimmerfenster befindet sich auf der straßenseite des
hochhauses. sie wohnt im parterre und die zeitdiebe leuchten
immer mit den scheinwerfern auf ihr schlafendes gesicht. ihre
herrlichen träume in schwarz färben sich dadurch in dunkles
orangerot. dieses verwandelt sich in grelles gelb und öffnet
ihre augen.
mit den ohrenschützern am kopf und einer silberfarbenen
boxershort bekleidet, öffnet sie ihnen. im flur ist es dunkel,
sie weiß erst nach dem aufschließen der tür, wer es diesmal
wieder ist.
„ja? hat er endlich seine tote katze begraben?“
„nein – stell’ dir vor, jetzt kämmt er jeden morgen ihr
schütteres fell. überall liegen haare. ich kann sie nicht
anfassen, ich kann sie nicht mehr sehen. am liebsten würde ich
alle aufsammeln, einen pfropfen damit formen und ihm diesen in
den mund stopfen. solange, bis er genug hat von dem vieh und es
beim fenster rauswirft!“
„komm’ herein, mir ist kalt. ich mach uns eine tasse tee.“
ihre vergangenheit liebt sie nicht.
ständig jammerte mutter über die schlechte welt. und ihre noch
viel schlechtere ehe.
mutter konnte die art nicht ertragen, wie sie ihr frühstück
zubereitete: erst holte sie die kakaodose aus dem schrank. dann
nahm sie ein sieb vom bord und kramte lautstark in der
bestecklade nach einem breiten löffel. ihre tasse, schwarz mit
einem dicken henkel, wusch sie immer frisch ab. auch wenn sie
beim sauberen geschirr gestanden hatte. die milch wurde schon
eine halbe stunde vorher aus dem kühlschrank genommen, damit sie
etwas warm werden konnte. mikrowellen mochte sie nicht und am
herd lag immer die gebügelte wäsche vom abend zuvor.
mit dem breiten löffel schöpfte sie ein wenig von dem
grobkörnigen kakaopulver in das sieb, hielt es über die tasse
mit milch und zermalmte die brocken im sieb, sodass kakao wie
brauner schnee in das warme weiß und neben die tasse auf die
arbeitsplatte rieselte. ein löffel voll reichte.
mutter war krank. sie fraß und kotzte. der hausarzt liebte ihre
großen brüste und meinte, wenn sie zuviel kotzen würde, wären
ihre brüste nicht mehr groß genug. also fraß sie nurmehr.
vater war ständig auswärts, seine firma hatte ihren hauptsitz in
wien. er bewohnte ein kleines, aber komfortables studentenzimmer
im zweiten bezirk und kam nur an den wochenenden nach hause.
wirklich zu hause fühlte er sich allerdings im zweiten bezirk.
wenn sie damit beginnt, über sich selbst nachzudenken, verfällt
sie meist in eine tiefe traurigkeit. träume hat sie,
wunderschöne sogar. ganz in schwarz. aber auch die ohrenschützer
helfen ihr nicht, möglichst lange zu träumen. vor allem die
schönsten davon verfärben sich immer plötzlich orangerot.
vorige woche schlief der chemieprofessor der nachbarstochter auf
ihrem sofa. er hatte einen schwabbelhintern, dafür aber gute
augen. seine hände waren zärtlich, seine worte warm. sie fühlte
sich wohl in dem meer von friedlichen worten. und er auch.
morgens wachten sie gemeinsam in ihrem bett auf. diesmal gab es
keine träume und keine farben. nur haut und schweiß; und
geilheit.
und sie vermisste das tiefe schwarz.
manchmal hasst sie ihre chemieprofessoren, schundheftverleger,
motorradfahrer und zeitgeister. weil sie viel zu echt sind. sie
schmecken, riechen, kratzen, streicheln, rinnen, triefen,
seufzen, lächeln, ... er nicht.
der, den sie vermisst.
mit einem knall fliegt die küchentür zu! schon wieder hat sie
beide fenster offen vergessen, sie wollte frische luft atmen. es
war eine lange nacht. die katzenfreundfreundin saß vier tassen
tee lang auf dem kratzigen polyesterteppich ...
das telefon läutet. „chemieprofessor“ steht nicht am display,
dafür aber „edv-techniker“. oh gott, nicht schon wieder! sein
letzter anruf ist erst fünf minuten her und ihr kopf dröhnt wie
eine riesige lagerhalle, in der ein farbfassdeckel aus blech
scheppernd zu boden fällt.
„warum bist du denn so voreingenommen? ich will ja nicht bei dir
einziehen, um dich zu vögeln. doch, vögeln will ich dich schon,
aber nicht nur!“
„hatte ich dir nicht gesagt, dass du keinesfalls immer neben mir
aufwachen darfst? ich könnte es nie ertragen. nicht mir dir!“
„du kannst dich ja daran gewöhnen; ich bin mir sicher, dass du
das kannst. ich werde so zu dir sein, dass du es vielleicht
sogar vermissen wirst.“
„träumer!“
„von dir träume ich gerne. in allen farben.“
„meine träume sind schwarz.“
sie nimmt das telefonat nicht an. in fünf minuten wird es
nochmal läuten. und dann kommt eine kurznachricht. macht nichts
- hauptsache keine stimme!
und schon wieder ist sie so traurig.
weil sie ihren wünschen keine farbe geben will, sagt der
psychologieprofessor.
dieser dumme mensch!
weil sie ihren träumen keine farben geben will, sagt die
katzenfreundfreundin.
diese dummen menschen!
wissen sie denn nicht, dass schwarz die schönste aller farben
ist? |